Klassik in deinem Kiez

Von Zeynep Sayar | 29. November 2018

Komponisten wieder ausgraben! Auch unter diesem Motto hätte das Konzert „Werk-Statt” stehen können, das von 27 Schülerinnen und Schülern des Heisenberg Gymnasiums im Rahmen des TONALi-Festivals „Klassik in deinem Kiez” konzipiert und organisiert wurde. 

Die Schülermanager der TONALi-AG hatten in den vorausgegangenen Wochen gemeinsam mit ihrer Patenmusikerin darauf hingearbeitet, den Konzertbetrieb zu entstauben und die Klassik in die Nachbarschaft der Schule, ihren Kiez, zu bringen. Die Schüler selbst entwickelten die Idee, die Helms Lounge, das Foyer des Archäologischen Museums, als Konzertort zu erschließen. Sie selbst stellten den Kontakt her, buchten die Location und füllten Sie schließlich mit über 100 Besuchern aller Altersklassen.

Nachdem die jungen Kulturmanager seit Schuljahresbeginn ein Veranstaltungs-, Marketing- und Raumkonzept entwickelt hatten, galt es am Konzertabend, alles praktisch umzusetzen: Tische und Stühle wurden verrückt, selbst entworfene Programmzettel, Leuchtstrahler angeschlossen und Kerzen angezündet. Ein schwarz glänzender Flügel, den die Firma Steinway gratis zur Verfügung gestellt hatte, zog alle Blicke auf sich. Doch wo genau sollte er stehen? Es brauchte seine Zeit, bis der perfekte Platz gefunden, die Grenze zwischen Bühne und Publikumsbereich ganz im Sinne des TONALi-Projekts tatsächlich aufgehoben war.

Die junge Cellistin Nina Behrends und der Pianist Michael Cohen-Weissert zogen mit einem anspruchsvollen Programm, der Cello-Sonate von Brahms in e-Moll und der D-Dur-Sonate von Mendelssohn, Jung und Alt in ihren Bann. Die hochklassige Leistung der Musiker sorgte in der Pause und nach dem Konzert für einen angeregten Austausch zwischen den Konzertgästen, Musikern und Schülermanagern. Zudem hatte das Publikum einen Eindruck von der Arbeit eines Musikers erhalten: Zwischen den Sätzen führten Nina und Michael an konkreten Beispielen vor, wie Johann Sebastian Bach beide Komponisten beeinflusst und inspiriert hatte und was genau die Aufgaben eines Interpreten sind. Es könne nicht, so Nina, jedes Stück völlig intuitiv oder nur vom Blatt gespielt werden. „Musik ist temporär”, erklärte Nina, „und wir als Musiker haben die Aufgabe, die geschriebenen Noten immer wieder neu zu interpretieren, mit Klängen zu füllen.”

Die gebannte Stille während der eigentlichen Konzertteile zeigte: Das gelang den Musikern in jedem Moment.

Um Mitschülern, Eltern, Großeltern und Freunden dieses Erlebnis zu ermöglichen, um die auf den TONALi-Workshops entfachte Begeisterung in die Schule und den eigenen Stadtteil weiterzutragen, hatten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10 bis 12 sehr viel Zeit außerhalb der so prall gefüllten Stunden- und Klausurenpläne investiert und zum Teil sogar einige Nachtschichten eingeschoben. Doch die überwältigende Resonanz, die mitreißende Musik und die ganz spezielle TONALi-Atmosphäre entschädigte für alle Mühen.

Und so erstrahlte am Ende des Abends nicht nur die in das markante TONALi-Pink getauchte Helms Lounge, sondern auch die vielen begeisterten und beglückten Gesichter.

 

Zeynep Sayar (12. Jg.), Redaktion: Presseteam der TONALi-AG

 

(c) Fotos: Georg Tedeschi